0 Kommentare

Sonnige Nachmittage sind das Schlimmste für eine trockene Alkoholikerin. Aber es geht mir gut und ich bin stolz auf mich. Ich strecke mich auf meiner Sonnenliege aus, mein Buch in der Hand, und genieße die Ruhe, bevor ich meinen Sohn von der Schule abholen muss. Dann klappert das Tor. Es ist die Polizei, und ihren Gesichtern nach zu urteilen, bringen sie keine guten Nachrichten.

Als ich den beiden Beamten gegenüberstehe, versuche ich zu verdrängen, was sie mir sagen. Mein Mann Rob kann unmöglich tot sein – ich habe ihn erst heute Morgen gesehen. Außerdem ist er der vorsichtigste Radfahrer, den ich kenne, und würde sich niemals in Gefahr bringen.

Ich erzähle ihnen nicht, dass wir heute Morgen gestritten haben. Außerdem ist das nicht einmal relevant.

Es bricht mir das Herz, dass unsere letzten Worte zornige waren, und jetzt muss ich nicht nur seine Leiche identifizieren, sondern auch unserem Sohn die Nachricht überbringen. Ich habe mich noch nie so allein gefühlt in meinem Leben und weiß nicht, ob ich dem Drang widerstehen kann, Trost in einer Flasche Weinbrand zu suchen. Besonders als die Polizei enthüllt, dass Robs Tod kein Unfall war – dass er Opfer einer Fahrerflucht geworden ist.

Und es scheint, dass ich die Hauptverdächtige bin.

Ich habe bereits meinen Mann verloren, jetzt scheint es, als könnte ich auch meinen Sohn, mein Zuhause und sogar meine Freiheit verlieren. Jedes Stück meines Lebens entgleitet mir, während sich die Beweise gegen die Person mit dem offensichtlichsten Motiv häufen – gegen mich.

Und ich habe kein Alibi.

Aber es gab auch andere, die Rob Böses wollten, solche, deren Motive erst jetzt ans Licht kommen, da er fort ist. Er hat so viele Geheimnisse und Lügen mit ins Grab genommen, dass ich kaum weiß, mit welchem ich anfangen soll.
Während die dunklen Tage, die folgen, mich an den Rand zu drängen drohen, erfahre ich mehr über meinen Mann nach seinem Tod, als ich je wusste, als er noch lebte.

Und es ist zu spät, um ihn zur Rede zu stellen.

Quelle Amazon

Ähnliche Beiträge

Ursula Poznanski – Die Mordgruppe 02 – Böses Licht

Die Inszenierung von Shakespeares Richard III am Wiener Burgtheater trieft förmlich von Theaterblut, daher fällt kaum jemandem aus dem Publikum die echte Leiche auf der Bühne auf: Ulrich Schreiber, altgedienter Garderobier, wird tot auf einem Thron sitzend von der Unterbühne ins Rampenlicht gefahren. Die Tat löst Entsetzen und Ratlosigkeit gleichermaßen…

Karin Fossum – Eddie Feber 01 – Nachtläufer

Beschreibung: In einer norwegischen Kleinstadt geht die Angst um: Drei Menschen haben die Überfälle des Einbrechers, den man »Nachtläufer« nennt, überlebt – aber wie lange noch, bis der Erste stirbt? Kommissar Eddie Feber ist sicher, dass die mysteriösen Zahlenkombinationen an den Tatorten einen Hinweis darauf geben – doch wird er…

Béla Bolten – Simon Wagners 08 – Leise schreit der Tod

Der Türmer von St. Michaelis ist früh dran an diesem Mittwoch vor Ostern. Wie immer wirft er der »Zitronenjette« einen kurzen Blick zu, bevor er zum Kirchenportal geht. Die von den vielen Berührungen blank polierte Hand der Bronzestatue glänzt im Sonnenlicht. Am Sockel lehnt ein Mann, er hat die Beine…